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Die 10 häufigsten Wundverbandarten und wann sie anzuwenden sind

Die Wundheilung hängt nicht allein von der Zeit ab; die Wahl des richtigen Verbandes ist ebenso wichtig. Unterschiedliche Wunden erfordern unterschiedliche Verbandarten, um schneller zu heilen und das Infektionsrisiko zu verringern. Dieser Artikel stellt die gängigen Verbandarten vor und erklärt, wie Sie je nach Wundzustand den am besten geeigneten Verband auswählen, um den Heilungsprozess zu optimieren.

Die 10 häufigsten Wundverbandarten

2.1 Gaze-Verbände

Gazeverbände (auch Stoffverbände genannt) bestehen aus gewebter Baumwolle oder atmungsaktiven Kunstfasern. Gängige Arten sind Gazekompressen und -rollen. Sie sind stark saugfähig und nehmen Wundexsudat effektiv auf. Gazeverbände sind preiswert, leicht erhältlich und in den meisten Apotheken und Drogerien verfügbar. Allerdings neigen sie dazu, auszutrocknen und an der Wunde zu kleben, was beim Verbandswechsel Schmerzen verursachen kann. Daher sind sie für stark exsudierende oder schwer heilende Wunden ungeeignet.

Die Gaze-Verbände eignen sich für:

Sie eignen sich für kleinere Abschürfungen (wie ein aufgeschürftes Knie nach einem Sturz), Schnittwunden (wie kleine Schnitte beim Schneiden), oberflächliche Wunden (wie Hautkratzer) und können auch zur Wundversorgung größerer Wunden verwendet werden. Sie werden im Allgemeinen bei risikoarmen, gut heilenden Wunden eingesetzt.

2.2 Nicht haftende Wundverbände

Nicht haftende Wundauflagen sind üblicherweise als Kompressen erhältlich. Sie bestehen meist aus Materialien wie Silikon, Polyurethan oder Vliesstoffen und verfügen über eine glatte Oberfläche, die ein Verkleben mit der Wunde verhindert und Schmerzen beim Verbandswechsel reduziert. Diese Wundauflagen absorbieren kein Wundexsudat, sondern halten die Wundoberfläche trocken. Sie werden hauptsächlich bei Wunden mit geringer Exsudatbildung oder bereits heilenden Wunden eingesetzt und schützen die Wunde vor Verunreinigungen von außen.

Nicht haftende Wundauflagen, geeignet für:

Oberflächliche Wunden (wie kleine Schnitte oder Abschürfungen), postoperative Wunden oder heilende Wunden, leichte Verbrennungen, Hautrisse (insbesondere bei älteren Menschen oder empfindlicher Haut), die Heilungsphase chronischer Wunden (wie diabetische Fußgeschwüre oder Druckgeschwüre) und der Schutz von Wunden nach dem Entfernen von chirurgischen Fäden oder Klammern.


2.3 Hydrokolloidverbände

Hydrokolloidverbände sind selbstklebende Wundauflagen, die typischerweise aus Hydrogelmaterialien und absorbierenden Polymeren bestehen. Sie besitzen einzigartige Eigenschaften, die ein feuchtes Wundmilieu schaffen, die Heilung fördern und Schmerzen lindern. Hydrokolloidverbände haften gut auf der Wunde und reduzieren so das Risiko einer Kontamination von außen. Da sie in der Regel transparent sind, lässt sich der Heilungsfortschritt der Wunde leicht beobachten.

Geeignete Hydrokolloidverbände:

Große Verbrennungen ersten Grades, leichte Druckgeschwüre, zystische Akne, leicht exsudierende Geschwüre, Vorbeugung von Phlebitis, Reduzierung von subkutaner Stauung und Ödemen nach intravenöser Infiltration sowie tägliche Pflege von Abschürfungen, Blasen, Schnittwunden und Dermatitis.

2.4 Hydrogelverbände

Im Vergleich zu Hydrokolloidverbänden, die häufig bei stark exsudierenden Wunden eingesetzt werden, eignen sich Hydrogelverbände besser für trockene, schmerzhafte Wunden. Hydrogelverbände enthalten einen höheren Wasseranteil, meist eine Mischung aus Wasser und Polymeren. Ihre Struktur trägt dazu bei, dass der Verband ein feuchtes Wundmilieu aufrechterhält. Dies fördert die Wundheilung und lindert Schmerzen. Hydrogelverbände sind in der Regel transparent und weich. Sie schmiegen sich eng an die Wundoberfläche an.

Die Hydrogel-Wundauflagen eignen sich für:

Zu trockene Wunden, Wunden mit nekrotischem Gewebe oder schmerzhafte bzw. nekrotische Wunden. Dazu gehören leichte Verbrennungen beim Kochen, Dampfverbrennungen, Verbrühungen mit heißem Wasser, Brandblasen, Schnittwunden, Schürfwunden und andere oberflächliche Wunden.

2.5 Schaumverbände

Schaumverbände eignen sich hervorragend für stark exsudierende Wunden. Sie sind stark absorbierend und nehmen große Mengen Exsudat auf, während sie gleichzeitig ein feuchtes Wundmilieu erhalten. Die äußere Schicht besteht in der Regel aus atmungsaktivem Polyurethan, das die Wunde abdeckt und gleichzeitig Sauerstoff und Wasserdampf durchlässt. Darüber hinaus wirken Schaumverbände polsternd und schützen die Wunde vor äußeren Reizungen.

Die Schaumverbände eignen sich für:

Stark exsudierende Wunden, wie z. B. diabetische Fußgeschwüre, chronische Geschwüre, tiefe Verbrennungen, Druckgeschwüre und mehr.

2.6 Transparente Folienverbände

Transparente Folienverbände sind dünn und atmungsaktiv und bestehen in der Regel aus Polyurethanfolie oder ähnlichen Materialien. Sie sind wasserdicht, atmungsaktiv und antimikrobiell. Durch ihre Transparenz ermöglichen sie eine einfache Beobachtung des Wundheilungsfortschritts. Transparente Folienverbände sind leicht, flexibel und passen sich der Wunde optimal an.

Die transparenten Folienverbände eignen sich für:

Kleine Wunden wie leichte Abschürfungen, Schnitte, kleine chirurgische Einschnitte, Wunden nach Kaiserschnitt, leichte Verbrennungen und Sonnenbrand, Erstversorgung von postoperativen Wunden sowie Schutz bei Venenverletzungen oder anderen kleinen Einschnitten.

2.7 Silberverbände

Silberionen-Wundauflagen sind antimikrobielle Vliesverbände, die Silberionen oder Silberfasern enthalten. Sie hemmen wirksam das Bakterienwachstum und beugen Wundinfektionen vor. Dank ihrer hohen Saugfähigkeit nehmen sie Wundexsudat schnell auf und reduzieren so die Notwendigkeit häufiger Verbandwechsel.

Die Silberverbände eignen sich für:

Wunden mit mäßiger bis starker Exsudation, einschließlich postoperativer Wunden, traumatischer Wunden, diabetischer Fußgeschwüre, Beingeschwüre, Druckgeschwüre, Verbrennungen ersten und zweiten Grades sowie anderer leichter Verletzungen.

2.8 Kollagenverbände

Kollagenverbände enthalten natürliches Kollagen, das die Wundheilung fördert und in der Regel tierischen oder menschlichen Ursprungs ist. Sie sind als Gele, Pulver und Pflaster erhältlich und tragen dazu bei, Entzündungen zu reduzieren, eine Schutzbarriere zu bilden und das Wachstum von neuem Gewebe zu fördern. Diese Verbände eignen sich für chronische Wunden, werden jedoch nicht für stark exsudierende Wunden oder für Personen mit einer Kollagenallergie empfohlen.

Die Kollagenverbände eignen sich für:

Chronische und tiefe Wunden, wie beispielsweise diabetische Fußgeschwüre, Dekubitus, venöse Ulzera, tiefe Verbrennungen und postoperative Wunden, werden damit behandelt. Sie fördern das Wachstum neuen Gewebes und die Heilung, insbesondere bei Wunden, die nur langsam oder über einen längeren Zeitraum nicht verheilt sind.

2.9 Alginatverbände

Alginatverbände werden aus natürlichen Algen hergestellt und sind hochgradig saugfähig. Sie absorbieren Wundexsudat schnell und bilden eine gelartige Substanz, die ein feuchtes Wundmilieu für die Heilung aufrechterhält. Zudem tragen sie dazu bei, das Infektionsrisiko zu verringern und verursachen nur minimale Hautreizungen, wodurch sie auch für empfindliche Haut geeignet sind.

Geeignete Alginatverbände:

Mittelstark bis stark exsudierende Wunden, wie z. B. Operationswunden, traumatische Verletzungen, Verbrennungen zweiten Grades, venöse Beingeschwüre und Dekubitus. Sie eignen sich auch zum Ausstopfen tiefer Wunden oder Kavitäten, um die Granulationsgewebsbildung zu fördern und das Infektionsrisiko zu verringern.

2.10 Kompositverbände

Kompositverbände sind vielseitige Produkte, die aus verschiedenen Materialien wie Schaumstoff, Hydrokolloid und Alginat hergestellt werden. Sie bieten zahlreiche Vorteile, wie z. B. Feuchtigkeitsaufnahme, Feuchtigkeitsregulierung, Wundschutz und Schmerzlinderung.

Diese Wundverbände eignen sich ideal für Wunden, die in mehreren Phasen heilen oder in jeder Phase unterschiedliche Bedürfnisse haben. Sie sind auch hervorragend geeignet für Wunden mit komplexem Wundabfluss, wie Fisteln, Sinusgänge oder tiefe Wunden mit starkem Exsudat.

Wie man den richtigen Wundverband auswählt

Die Wahl des richtigen Verbandes hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art der Wunde, die Menge des Wundsekrets, das Heilungsstadium und das Infektionsrisiko. Hier sind einige häufige Wundarten und die jeweils empfohlenen Verbände:

Oberflächliche Wunden:

Bei kleineren Schnittwunden, Schürfwunden oder Hautrissen reichen in der Regel einfache Verbände wie Gaze oder transparente Folienverbände aus. Diese Verbände bieten grundlegenden Schutz, halten die Wunde trocken und ermöglichen eine einfache Überwachung und einen unkomplizierten Verbandswechsel.

Tiefe Wunden:

Bei Wunden mit mäßiger bis starker Exsudation, tiefen Schnitten oder chirurgischen Inzisionen sind moderne Wundauflagen mit hoher Absorptions- und Feuchtigkeitsspeicherfähigkeit erforderlich, wie beispielsweise Schaum-, Alginat- oder Hydrogelverbände. Diese Verbände tragen dazu bei, die Exsudation zu reduzieren und die Heilung zu fördern.

Chronische Wunden:

Bei schlecht heilenden oder nicht heilenden Wunden, wie z. B. venösen Beingeschwüren, Dekubitus oder diabetischen Fußgeschwüren, werden Kollagen- oder Silberionenverbände empfohlen. Diese Verbände wirken antimikrobiell, fördern die Granulationsgewebsbildung und beschleunigen den Wundverschluss.

Infizierte Wunden:

Bei Wunden mit Infektionsanzeichen wie Rötung, Schwellung oder eitrigem Wundsekret sind antimikrobielle Wundauflagen, beispielsweise Silberionen- oder Jodverbände, erforderlich. Diese Verbände eliminieren Bakterien wirksam und schaffen ein keimfreies Wundmilieu für die Heilung.

Brennen:

Verbrennungen unterschiedlichen Schweregrades erfordern spezielle Verbände zur Kühlung, Schmerzlinderung und Infektionsprophylaxe. Hydrogel- oder Silberionenverbände werden häufig bei leichten bis mittelschweren Verbrennungen eingesetzt, da sie Feuchtigkeit spenden und Schmerzen lindern. Bei schweren Verbrennungen können modernere, biotechnologisch hergestellte Hautverbände erforderlich sein.

Chirurgische Wunden:

Postoperative Wunden benötigen Verbände, um die Heilung zu fördern und Infektionen vorzubeugen. Nicht haftende Verbände oder transparente Folienverbände werden häufig für saubere Operationswunden verwendet. Bei Wunden mit mäßiger Exsudation kommen Schaum- oder Hydrokolloidverbände zum Einsatz, um die Exsudation zu absorbieren und die Heilung zu unterstützen.

Traumatische Wunden:

Traumatische Wunden wie Schnitt-, Stich-, Quetsch- und Schussverletzungen erfordern Verbandsmaterialien, die je nach Tiefe und Schweregrad der Wunde ausgewählt werden. Nicht haftende oder Alginatverbände eignen sich für die Erstversorgung, da sie Wundexsudat effektiv absorbieren und die Heilung fördern. Im Verlauf der Wundheilung kann die Wahl des Verbands je nach Exsudatmenge und Heilungsgeschwindigkeit angepasst werden.

Hinweis: Diese Informationen dienen ausschließlich der Information und ersetzen keine professionelle medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei schwerwiegenden oder anhaltenden Wundproblemen wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine medizinische Fachkraft.

Häufig gestellte Fragen zu Wundverbandarten

Frage 1: Wie oft sollten Wundverbände gewechselt werden?

Das hängt von der Wunde und der Art des Verbandes ab. Leichte Wunden können in der Regel einmal täglich gewechselt werden. Bei stärker nässenden Wunden sollte der Verband alle 24 Stunden oder bei Bedarf auch früher gewechselt werden. Achten Sie beim Verbandswechsel stets auf Anzeichen einer Infektion.

Frage 2: Welches ist das beste Dressing?

Die Wahl des besten Verbandes hängt von der Wunde ab. Bei kleinen Schnitten eignen sich Gaze oder transparente Folie gut. Für tiefere Wunden sind Schaumstoff-, Alginat- oder Hydrokolloidverbände geeignet. Bei chronischen oder infizierten Wunden sind Silber- oder Kollagenverbände ideal.

Frage 3: Was sind die 5 Regeln für die Wundversorgung?

  • Reinigen Sie die Wunde, bevor Sie einen Verband anlegen.
  • Wählen Sie den passenden Verband je nach Größe, Art und Sekretion der Wunde.
  • Die Wunde sollte feucht, aber nicht zu nass gehalten werden.
  • Wechseln Sie den Verband regelmäßig je nach Bedarf der Wunde.
  • Achten Sie auf Anzeichen einer Infektion und konsultieren Sie gegebenenfalls einen Arzt.

Abschluss

Es gibt viele verschiedene Arten von Wundverbänden, aber am wichtigsten ist es, den für Ihre Wunde am besten geeigneten Verband auszuwählen. Indem Sie die Eigenschaften und Anwendungsgebiete der verschiedenen Verbände kennen, können Sie die Wundversorgung effektiver gestalten und die Wundheilung beschleunigen.

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