
Laut Literaturangaben verwendeten Menschen bereits um 2000 v. Chr. Schnüre und Tieraponeurosen zum Nähen. Nach dem alten Ägypten kamen Nahtmaterialien wie Leinen, Rosshaar, Leder, Baumwollfaden und andere Pflanzenfasern auf. Um 150 v. Chr. schlug Galen das Konzept der „Darmnaht“ vor, doch der tatsächliche sterile Darm, hergestellt aus der Schleimhaut des Dünndarms von Schafen oder Rindern, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Um 1000 n. Chr. kam der Seidenfaden auf und fand weite Verbreitung; er ist das am längsten verwendete medizinische Nahtmaterial der Geschichte.
Mit der rasanten Entwicklung der modernen Medizin und der stetigen Verbesserung chirurgischer Techniken steigen auch die Anforderungen der Chirurgen an die Spannung, die Handhabung und die Resorbierbarkeit von Nahtmaterialien. Herkömmliche Nahtmaterialien genügen diesen Anforderungen bei Weitem nicht mehr. Daher werden medizinische Nahtmaterialien durch die Synthese neuer Polymermaterialien intensiv weiterentwickelt.
Seit den 1950er Jahren haben zahlreiche Wissenschaftler und Experten aus verwandten Bereichen wie Chirurgie und Chemieingenieurwesen zusammengearbeitet, um eine Vielzahl synthetischer Nahtmaterialien zu entwickeln, die den unterschiedlichen klinischen Anforderungen der Chirurgie gerecht werden. Künstlich hergestellte, nicht resorbierbare Nahtmaterialien wie Nylon (z. B. Etllilon), Polyester (z. B. Etllibond) und Polypropylen (z. B. Pro-lene) wurden eingeführt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe synthetischer, resorbierbarer Nahtmaterialien, hauptsächlich PGA, PGLA, Polydioxanon und Poligle-Capron. Im Jahr 2003 brachten die USA VICRYL Plus mit antibakteriellen Wirkstoffen auf den Markt. Aktuell werden auch Nahtmaterialien mit Formgedächtnisfunktion klinisch eingesetzt.
Die meisten Chirurgen haben während einer Operation eine festgelegte Nahtroutine. Das heißt, sie bevorzugen ein bestimmtes Nahtmaterial, sofern die Situation keine andere Wahl erfordert. Durch die wiederholte Verwendung desselben Nahtmaterials wird die Operationstechnik geübter und geschickter. Selbstverständlich ist ein tiefes Verständnis der physikalischen Eigenschaften verschiedener Nahtmaterialien seitens des Chirurgen unerlässlich.

